Ratgeber für Ausbilder, Personal und Geschäftsführung
Gesetze rund um die Ausbildung: Was gilt und was Betriebe bereitstellen müssen
Stand: 3. Oktober 2026 · Lesezeit etwa 6 Minuten · Redaktion Meisterheft
Kurzantwort
Für die Ausbildung gelten vor allem das Berufsbildungsgesetz, für Azubis unter 18 das Jugendarbeitsschutzgesetz, sonst das Arbeitszeitgesetz, und für alle das Arbeitsschutzgesetz. Die amtliche, aktuelle Fassung steht kostenlos bei gesetze-im-internet.de.
Wichtig für Betriebe: Jugendarbeitsschutzgesetz und Arbeitszeitgesetz müssen im Betrieb zugänglich sein, digital oder als Aushang.
Die wichtigsten Gesetze
| Gesetz | Worum es geht | Amtliche Fassung |
|---|---|---|
| Berufsbildungsgesetz (BBiG) | Das Ausbildungsverhältnis: Pflichten von Azubis und Betrieb, Freistellung für die Berufsschule, Ausbildungsnachweis, Zulassung zur Prüfung. | BBiG |
| Handwerksordnung (HwO) | Das Gegenstück zum BBiG für Ausbildungen im Handwerk. | HwO |
| Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) | Schutz von Beschäftigten unter 18: Arbeitszeit, Pausen, Berufsschule, Unterweisung über Gefahren. | JArbSchG |
| Arbeitszeitgesetz (ArbZG) | Arbeitszeit und Ruhezeiten für Beschäftigte ab 18. | ArbZG |
| Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) | Sicherheit und Gesundheitsschutz für alle Beschäftigten, darunter die Unterweisung während der Arbeitszeit. | ArbSchG |
Dazu kommt für jeden Beruf die eigene Ausbildungsordnung mit dem Ausbildungsrahmenplan. Sie legt fest, was in der Ausbildung vermittelt wird, und ist die Grundlage für den Abgleich der Sollstunden im Berichtsheft.
Azubis unter 18 Jahren
Für Jugendliche gelten strengere Regeln als für Erwachsene. Die wichtigsten für den Alltag:
| Regel | Was gilt | Grundlage |
|---|---|---|
| Arbeitszeit | Höchstens acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich. | § 8 Abs. 1 JArbSchG |
| Pausen | Mindestens 30 Minuten bei mehr als viereinhalb bis sechs Stunden, 60 Minuten bei mehr als sechs Stunden. Nicht länger als viereinhalb Stunden am Stück ohne Pause. | § 11 JArbSchG |
| Berufsschule | Freistellung für den Unterricht; Anrechnung auf die Arbeitszeit; kein Entgeltausfall. | § 9 JArbSchG |
| Unterweisung | Vor Beginn der Beschäftigung und bei wesentlichen Änderungen über Gefahren unterweisen, danach mindestens halbjährlich wiederholen. | § 29 JArbSchG |
Mehr zur Berufsschule und dazu, wie Schultage im Berichtsheft stehen: Betrieb, Berufsschule und Berichtsheft.
Was Betriebe bereitstellen müssen
Zwei Gesetze verlangen ausdrücklich, dass Beschäftigte sie im Betrieb einsehen können:
- Jugendarbeitsschutzgesetz: Wer regelmäßig mindestens einen Jugendlichen beschäftigt, stellt eine Kopie des Gesetzes und die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde bereit (§ 47 JArbSchG).
- Arbeitszeitgesetz: Der Arbeitgeber stellt eine Kopie des Gesetzes sowie die für den Betrieb geltenden Verordnungen, Tarifverträge und Vereinbarungen bereit, soweit sie die Arbeitszeit betreffen (§ 16 ArbZG).
In beiden Fällen reicht es, die Texte über die im Betrieb übliche Informations- und Kommunikationstechnik zugänglich zu machen, etwa im Intranet. Alternativ werden sie an geeigneter Stelle ausgelegt oder ausgehängt.
Da Gesetze amtliche Werke ohne Urheberrecht sind (§ 5 UrhG), darf der Betrieb sie frei kopieren. Am einfachsten ist ein Link auf die amtliche Fassung, die immer aktuell ist.
Checkliste für den Ausbildungsstart
- Gesetze zugänglich machen. Jugendarbeitsschutzgesetz mit Anschrift der Aufsichtsbehörde (bei Azubis unter 18) und Arbeitszeitgesetz.
- Arbeitsschutz-Unterweisung. Vor dem ersten Arbeitstag am Platz, während der Arbeitszeit. Bei Jugendlichen halbjährlich wiederholen.
- Ausbildungsplan aushändigen. Sachliche und zeitliche Gliederung erklären, sie gehört auch ins Berichtsheft.
- Berichtsheft einführen. Wie und wann eingetragen wird, wer freigibt. Vorlagen zum Herunterladen.
- Berufsschule klären. Schultage, Blockwochen und wie sie im Betrieb und im Berichtsheft eingeplant werden.
Fragen zur Umstellung? Sprechen Sie mit uns.
In einem kostenlosen Gespräch gehen wir mit Ihnen durch, was bis zum Stichtag zu erledigen ist, und beantworten Ihre Fragen.
Häufige Fragen
Muss ein Ausbildungsbetrieb das Jugendarbeitsschutzgesetz aushängen?
Wer regelmäßig mindestens einen Jugendlichen beschäftigt, muss eine Kopie des Gesetzes und die Anschrift der zuständigen Aufsichtsbehörde bereitstellen (§ 47 JArbSchG). Das geht über die im Betrieb übliche Informations- und Kommunikationstechnik oder durch Auslegen bzw. Aushängen an geeigneter Stelle.
Wie lange dürfen Azubis unter 18 arbeiten?
Höchstens acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich (§ 8 Abs. 1 JArbSchG). Die Ruhepausen betragen mindestens 30 Minuten bei mehr als viereinhalb bis sechs Stunden und 60 Minuten bei mehr als sechs Stunden Arbeitszeit (§ 11 JArbSchG).
Wie oft müssen Jugendliche zum Arbeitsschutz unterwiesen werden?
Vor Beginn der Beschäftigung, bei wesentlichen Änderungen der Arbeitsbedingungen und danach in angemessenen Abständen, mindestens aber halbjährlich (§ 29 JArbSchG). Für alle Beschäftigten gilt zusätzlich die Unterweisungspflicht nach § 12 ArbSchG, während der Arbeitszeit.
Dürfen Betriebe Gesetzestexte kopieren und weitergeben?
Ja. Gesetze und Verordnungen sind amtliche Werke und genießen keinen urheberrechtlichen Schutz (§ 5 Abs. 1 UrhG). Sinnvoll ist es, auf die amtliche Fassung bei gesetze-im-internet.de zu verweisen, weil sie dort stets aktuell ist.
Weiterlesen
- Digitales Berichtsheft der IHK wird eingestellt: Was Betriebe jetzt wissen müssen
Das digitale Berichtsheft der IHK wird zum 31. Dezember 2026 eingestellt. Stichtag, Export, Rechtslage, wie das Berichtsheft geführt wird, Alternativen und Checkliste für Ausbildungsbetriebe.
- Berichtsheft-Vorlage kostenlos: Wochenbericht, Deckblatt und Urheberschaftserklärung
Kostenlose Vorlagen für den Ausbildungsnachweis als PDF: Wochenbericht, Deckblatt mit Ausbildungsverlauf und Muster-Urheberschaftserklärung. Was hineingehört, wann welche Vorlage passt, und warum es digital einfacher geht.
- Betrieb, Berufsschule und Berichtsheft: So passt der Azubi-Alltag zusammen
Was das Gesetz zur Berufsschule regelt, wie Berufsschultage im Berichtsheft stehen und wie Betriebe fehlende und pünktliche Berichte im Blick behalten, ohne hinterherzutelefonieren.
- Berichtsheft mit KI schreiben: Was erlaubt ist und was Betriebe regeln sollten
Dürfen Azubis das Berichtsheft mit ChatGPT schreiben? Rechtslage nach BBiG, was die IHKs sagen, was unproblematisch ist und eine Muster-Regel für Ausbildungsbetriebe.
- Ist das Schreiben des Berichtshefts Arbeitszeit? Was das Gesetz sagt
Müssen Azubis das Berichtsheft in der Freizeit schreiben? Nein: § 14 Abs. 2 BBiG verpflichtet Betriebe, Gelegenheit am Arbeitsplatz zu geben. Was das für Betriebe heißt und wie viel Zeit es braucht.
- Ausbildungsrahmenplan Fachinformatiker/in Anwendungsentwicklung: alle Positionen und Lernfelder
Der Ausbildungsrahmenplan für Fachinformatiker/innen der Fachrichtung Anwendungsentwicklung übersichtlich: alle Positionen mit Lernzielen und Zeitrichtwerten, dazu die Lernfelder der Berufsschule mit Stunden.
Quellen
Die Angaben beruhen auf den Mitteilungen der genannten Stellen. Stand der Recherche: 3. Oktober 2026. Prüfen Sie Fristen und Hinweise bitte immer bei Ihrer zuständigen IHK.
- § 14 BBiG, Berufsausbildung (gesetze-im-internet.de)
- § 15 BBiG, Freistellung, Anrechnung (gesetze-im-internet.de)
- § 8 JArbSchG, Dauer der Arbeitszeit (gesetze-im-internet.de)
- § 9 JArbSchG, Berufsschule (gesetze-im-internet.de)
- § 11 JArbSchG, Ruhepausen (gesetze-im-internet.de)
- § 29 JArbSchG, Unterweisung über Gefahren (gesetze-im-internet.de)
- § 47 JArbSchG, Bekanntgabe des Gesetzes und der Aufsichtsbehörde (gesetze-im-internet.de)
- § 16 ArbZG, Aushang und Arbeitszeitnachweise (gesetze-im-internet.de)
- § 12 ArbSchG, Unterweisung (gesetze-im-internet.de)
- § 5 UrhG, Amtliche Werke (gesetze-im-internet.de)